#9: KATHARSIS - DRAMATURGIE UND WIEDERGEBURT.

SCHOKOLADE, EMOTIONALER HÖHEPUNKT, TRANSZENDENZ PLUS, FLOW, PAWLOW.

Stacks Image 520
Foto ©2014 Janosch Orlowsky
(30.08.2014) Transzendenz plus: erst im kathartischen Erkenntnismoment findet das intensivste Erleben eines Filmes oder einer anderen Kommunikationsform statt.
Ergänzt am 31.08.2014.
DRAMA IST CHAOS IST LEBEN.
Für viele Lebensbereiche und fast alle gesellschaftliche Dynamiken greifen physikalische und mathematische Prinzipien von dynamischen Systemen.

In der Dramaturgie und in Kommunikationsprozessen lassen sich deswegen sehr konkret naturwissenschaftliche Regeln und Gesetze anwenden, beispielsweise Teilaspekte der Chaos- und Katastrophentheorie, Wahrscheinlichkeitsrechnungen und weite Teile der Spieltheorie, um nur einige zu nennen.

Nach meinen derzeitigen theoretischen Erkenntnissen gehe ich davon aus, dass sich menschliches Verhalten und Emotionen anhand einiger prägnanter Persönlichkeits- / Wesens- / und Handlungsmerkmale eines Menschen, der mit einer bestimmten Kommunikationsform und -Art konfrontiert wird, tatsächlich sehr präzise berechnen lassen.

Ein wichtiger Aspekt bei allen theoretischen Überlegungen ist heutzutage, wie die größtmögliche Grundaufmerksamkeit geschaffen wird.

Hier greifen bereits von uns unbemerkt dynamische Marketing-, Kommunikations- und informationstheoretische Modelle, die Störfaktoren, also äußere Einflüsse und Informationswettbewerb aus der Sicht des Rezipienten berücksichtigen.

Im Bereich der heutigen, teils extrem penetranten Online-Werbung wird jedoch nicht selten der Holzhammer eingesetzt, wie z.B. bildfüllende Pop-Ups.
Diese erzielen allerdings bei halbwegs sensiblen Menschen unmittelbar das exakte Gegenteil der gewünschten Wirkung und können dazu beitragen, das Image von Marken unmittelbar zu beschädigen.
Oft sind dies plumpe, verzweifelte Versuche von Online-Vermarktern und -Plattformen bzw. -Angeboten, ihre Umsätze zu steigern.


Ich bin kein Wissenschaftler, erkenne aber immer wieder Muster in verschiedenen naturwissenschaftlichen Theorien und Modellen und denke, dass etliche Lösungen in den Bereichen der Erforschung des menschlichen Gefühls und des prognostizierbaren Verhaltens bereits gefunden wurden, jedoch etliche Schlüsse noch nicht gezogen wurden.

Und das ist vielleicht gar nicht so schlecht.

Zur Sache:
ERLEBEN.
Im letzten Artikel habe ich mich mit der Frage auseinandergesetzt, wann und wo Transzendenz überhaupt entsteht.

Wenn zwei Systeme mit unterschiedlichen Kernemotionen (Spannungsfeldern) aufeinandertreffen und dies vom Rezipienten bewusst wahrgenommen wird, entsteht ein Zustand, den der Rezipient als Transzendenz empfindet.

Hier entstehen emotionale Werte, die in ihrer Summe das transzendente / emotionale Potential eines Gesamtwerkes bestimmen.


Grundsätzlich kann man unterscheiden zwischen:

• kurzweiliger Transzendenz, die zu Emotionen mit einer kurzen Halbwertszeit führen und
• andauernder Transzendenz, die zu längeren emotionalen Effekten führt.

Letzteres wird beispielsweise in Horrorfilmen auf eine sehr intensive Weise angewandt.
Transzendenz ist allerdings nur ein Teil eines möglichen kathartischen Erlebnisses.



Im letzten Artikel gab es bereits eine grundsätzliche Herleitung, wie kathartische Momente in Dramaturgie- und Kommunikationsformen entstehen.


Das Erleben eines Kinofilms oder das Rezipieren einer anderen Kommunikationsform setzt sich aus folgenden Faktoren zusammen:


• Persönliche Disposition / Interesse / Stimmung (des Rezipienten, der im Moment der Rezeption Teil des Systems wird)

• Grundaufladung (Köder, Prämisse, Zeitgeist, Package) / Initalinteresse, Schaffung von Erwartung

• Faszination des Unbekannten unter Berücksichtigung des Ertragsgesetzes

• globaler Geschichtskern

• Transzendenzwerte (Emotionen)

• beherrschende Idee / wahrhaftiger Sachverhalt

• handwerkliche Umsetzung (z.B. Regie, Gesamtvision, Schauspiel, Kameraarbeit usw.)

• Rhythmus der Ereignisse (Ansätze wie z.b. 1/f-Formel sowie weitere Informations- und verarbeitungstheoretische Ansätze)

• weitere Faktoren
STRUKTURANALYSE / STRUKTURKOMPOSITION.
Alle auf dieser Seite besprochenen Prinzipien lassen sich sowohl als Analyseinstrumente, als auch als Konstruktionswerkzeuge nutzen, um Drehbücher und andere Kommunikationsprojekte zu optimieren.

Zunächst lokalisiere ich bei meiner Herangehensweise die Hauptereignisse eines Projektes.

Gehen wir bei einem Spielfilm von 90 Minuten Länge beispielsweise von 5 Hauptereignissen (=Prüfungen) aus, die 5. und letzte Prüfung führt zu einem großen, kathartischen Moment im emotionalen Höhepunkt.
In diesem kathartischen Moment (unmittelbar nach der Endprüfung) treffen sowohl ultimative Erkenntnis / Bewusstsein als auch ultimatives Gefühl / Emotion (Transzendenz) aufeinander.

Es hilft, die Prüfungen nicht als punktuelle Momente zu verstehen, die aus einem kurzen Ereignis bestehen, sondern vielmehr als kleine Geschichten oder auch Kapitel über einen jeweiligen bestimmten Sachverhalt, der wiederum im Dienst der Gesamtgeschichte / -Kommunikation funktioniert.

Der Teilaspekt, der in einer dieser Prüfungen (eines Größeren, Ganzen, dem Gesamtprojekt) verhandelt wird, auf dem Weg zur Endprüfung, endet vor der finalen Prüfung stets mit einem materiellen / sichtbaren Scheitern (Plot).
Dieses Scheitern befähigt z.B. die Figur in einer Geschichte (oder einen Sachverhalt) erst zu einer inneren Weiterentwicklung.

Jedes Drama mit kathartischem Ausgang ist eine Abkehr von Weltlichem, Sichtbaren zu etwas Spirituellem, zu einem immateriellen Wertgewinn.
Stacks Image 4244
©2014 decodingcinema.com / Janosch Orlowsky
Natürlich entwickeln sich das transzendente Erleben sowie Information nicht direkt linear, allerdings steigern sich diese Werte kontinuierlich - von Prüfung (Ereignis) zu Prüfung.

Diese beiden Faktoren, in Kombination mit den Ereignissen selber, schaffen Involviertheit beim Rezipienten:

• Transzendenz (T) - emotionales Erleben

• das Unbekannte (U) - Spannung, Informationsdifferenzen etc.

• Information (I) - Auflösung des Unbekannten (im Film meist im Konflikt), konkretes Wissen / Fakten, wahrhaftiger Sachverhalt

Grundsätzliche Involviertheit besteht aus diesen drei Faktoren.


Sie entsprechen der (emotionalen) Weiterentwicklung.

Anhand dieser ganz schlichten Faktoren kann sofort überprüft werden, ob ein Werk oder eine Kommunikationsstrategie sauber aufgebaut ist, ob es emotionale und informationelle Steigerungen gibt, oder ob bestimmte Ereignisse und Momente eine Erzählung / Kommunikation bremsen oder sogar behindern.

Bewusstsein beim Rezipienten entsteht darüber hinaus nur bei einem wahrhaftigen Sachverhalt und einer beherrschenden Idee.
Beides wird kontinuierlich mit den Erzählmitteln des jeweiligen Mediums aufgebaut bzw. entpackt.



Aus diesem Grund muss jeder Kreative und Künstler, der sich mit Arbeiten oder Werken mit Zeitkomponente beschäftigt, sowohl den Erzählkern als auch seine beherrschende Idee kennen, um berührende Arbeiten mit Bedeutung zu schaffen.

Selbst im retardierenden Moment - das in der Grafik zwischen Prüfung 4 und Endprüfung läge - und zum tiefsten (emotionalen) Punkt führt, findet eine mögliche Bewusstseinssteigerung statt, die eine Figur erst befähigt, die Endprüfung zu absolvieren.

Sowohl positives, als auch negatives Erleben sind ZWINGEND Teil des Gesamt-Involvements sowie des Bewusstseinswachstums der Rezipienten und somit Weg zu einem potentiell kathartischen Moment.
SPANNUNGSFELDER / KERNE
Der Projektkern eines Drehbuches, einer Arbeit, eines Werkes oder auch einer Kommunikationsstrategie lässt sich grafisch wie folgt definieren:
Stacks Image 3354
Die Horizontale (X) ist das elementare Spannungsfeld eines Projektes.
Zwei (scheinbar) unvereinbare Dinge treffen aufeinander und erzeugen das Spannungsfeld.

z.B. Leben und Tod, Liebe und Hass, Vertrauen und Verrat, Freiheit und Sicherheit usw.

In diesem Spannungsfeld entsteht das beherrschende emotionale Thema.
Es ist dual aufgeladen und voller Ambivalenz.



Die Vertikale (Y) stellt das permanente Spannungsfeld, in dem Menschen sich befinden, dar:

Positiv: das Streben nach Entgrenzung, Offenheit, Risikobereitschaft etc.

Negativ: Angst, Sicherheitsstreben, Routinestreben etc..

Hier entstehen sehr konkrete Emotionen, die sich in transzendenten Momenten potentiell vollumfänglich bei den Rezipienten entladen.

Die Werte auf den X- und Y-Achsen stehen in unmittelbarer Wechselwirkung zueinander.

Mit ihnen lassen sich punktuell die Intensität von Konflikten und die Graduierung resultierender emotionaler Effekte bestimmen.


Auch MIKROSTRUKTURELL hat jede "Prüfung", jedes Ereignis einen leicht variierenden Kern, in dem verschiedene Emotionen oder Emotionsvarianzen entstehen.

Sie sind der jeweilige Kern für eine Prüfung.

Eine Prüfung insgesamt ist ein TEILSYSTEM des GESAMTSYSTEMS (Story, Kommunikation etc.)

Die Teilsysteme (Prüfungen) ordnen sich dem Gesamtsystem unter (Projektkern gesamt und beherrschende Idee).
KATEGORISIERUNG MENSCHLICHER EMOTIONALER DYNAMIK.
Transzendenz funktioniert auf einer schlichten, eindimensionalen Skala.

Zwei Kernemotionen / Sachen / Systeme als äußere Spannungspole, dazwischen die Fallhöhe, der "transzendente Schwebezustand".
Hier entstehen alle menschlichen Emotionen.

Menschliche Emotionen sind ein Symptom vom Schwebezustand (Konflikt) zwischen zwei Systemen / Sachen / Dingen.
Diese beiden konkurrierenden Systeme haben verschiedene Kernemotionen, weil sie für Menschen Bedeutung oder Wert haben.
Emotionen treten vollumfänglich in Momenten der Transzendenz auf.


Reduziert man die möglichen emotionalen Bewegungen in Menschen auf ihre Wesenskerne, lässt sich folgende Kategorisierung und Skalierung ableiten:
Stacks Image 3491
©2014 decodingcinema.com / Janosch Orlowsky
Anhand dieser schlichten Kategorisierung lässt sich auch erkennen, warum alles in unserem Leben mit dualen Bedeutungen / Werten aufgeladen ist.


Das duale menschliche Spannungsfeld, gerne als Ambivalenz bezeichnet, folgt folgender Regel:

Je weiter ein Mensch von einem Objekt seines Wunsches entfernt ist, desto stärker sehnt er es gleichzeitig herbei, kann es aber gleichzeitig im selben Maße ablehnen.


Für den Fall der Ablehnung (bewusst oder unterbewusst) greifen die Regeln einer kognitiven Dissonanz-Reduktion - Der Fuchs und die Trauben.


Eine kognitive Dissonanz-Reduktion ist ein rationaler menschlicher Schutzmechanismus, der den Menschen - wie bei zu viel Schmerz im Falle einer schweren körperlichen Verletzung - davor bewahrt, seelisch verletzt zu werden.

Diese rationale Abwehrhaltung führt zu paradoxem, widersprüchlichem menschlichen Verhalten:

• jemand möchte etwas unbedingt, verhält sich jedoch widersprüchlich (ablehnend) - oder weicht seinem Wunschobjekt aus.

• jemand lehnt etwas ab, sucht aber dennoch die Nähe zu der scheinbar abgelehnten Sache, die tatsächlich sein Wunschobjekt ist.



In diesem Verhalten zeigt sich das menschliche Spannungsfeld mit den äußeren Polen Entgrenzungsstreben auf der einen und Angst auf der anderen Seite vollumfänglich.

Deswegen sind alle Dinge, die für einen Menschen Bedeutung haben, dual aufgeladen.

Der Ist-Zustand eines Individuums ist sowohl mit einer Dissonanz-Reduktion aufgeladen, wie auch mit einem tatsächlichen Streben / Sehnen nach z.B. einem Wunschobjekt.
Beide Dinge widersprechen sich in ihrer Sache.


Das Prinzip funktioniert in beide Richtungen.

Dies ist der ursächliche Grund für Ambivalenz, für (menschlichen) Konflikt, der Existenzgrund für Dramaturgie.
TRANSZENDENZMOMENTE UND MIKROSTRUKTURELLE ERKENNTNISSE.
Wie im letzten Artikel festgestellt, entstehen transzendente Momente, wenn zwei verschiedene Systeme aufeinander treffen oder kollidieren.
In ihrem Kern haben diese Zustände oder auch mikrostrukturellen Systeme zwei unterschiedliche Kernemotionen.
Menschliche Transzendenz ist der Schwebezustand zwischen zwei verschiedenen Kernemotionen.


Bei einem Blick auf die Mikrostruktur einer Arbeit kann exakt festgestellt werden, wo sich transzendente Momente potentiell einstellen sollten und wo Bewusstseinsentwicklung bei Rezipienten stattfinden müsste.

Ist dies nicht der Fall, helfen sehr konkrete Fallback-Methoden, um festzustellen, warum der Rezipient nicht berührt oder nicht in gewünschtem Maß informiert und insgesamt involviert wird.

• Kernanalyse (von einzelnen Prüfungen / Sequenzen und gesamt)

• Überprüfung der beherrschenden Idee (mikrostukturelle Ideen).
Stacks Image 3445
©2014 decodingcinema.com / Janosch Orlowsky
SCHOKOLADE & KATHARSIS - MEHR ALS SUMME DER EIGENSCHAFTEN.
Das kathartische Potential einer Arbeit / eines Werkes / einer Kommunikationsstrategie entsteht aus der Summe seiner Eigenschaften.

Der Moment der Katharsis in Kombination mit einem tiefen Erkenntnismoment hat sogar das Potential, das dramaturgische System / Konstrukt einer Arbeit zu sprengen.

Die Erzählung / das Kommunikationsprojekt entwickelt eine scheinbar nicht konkret greif- oder quantifizierbare "Magie", die jedoch tatsächlich zuvor konstruiert wurde.

Im Zuschauer / Rezipienten wird durch einen sauber konstruierten kathartischen Moment eine tiefe, transzendente Emotion - durch eine emotionale Systemkollision des Kernkonfliktes - und die Enthüllung der Erkenntnis (beherrschende Idee) in vollem Umfang ausgelöst.
Stacks Image 3537
©2014 decodingcinema.com / Janosch Orlowsky
Jede nachhaltig erfolgreiche Kommunikation schafft zunächst TRANSZENDENZ (Emotion), erst dann wird INFORMATION vermittelt.

Es liegt im Wesen des Menschen, dass wir nur durch Erleben / Erfahren nachhaltig lernen, nicht durch Theorie. ("Seelische Latenz" oder auch "Trägheit des Herzens".)
Deswegen ist es elementar, im Kino und vielen anderen Erzählformen Emotionen zu erschaffen.

Emotionen schaffen ein tiefes Erfahren / Erleben durch die Rezipienten.

Billy Wilder nannte dieses Phänomen das "Verpacken in Schokolade":
If you have anything worthwhile saying, better be sure it is wrapped it in chocolate so they will swallow it. (sic)

Die Schokolade ist das Gefühl / das sinnliche Erleben / der transzendente Moment.

Die Wahrheit und die Aussage einer Arbeit ist genau in der Schokolade versteckt und wird - böse gesagt - mit verfüttert.

Wichtige Kerninformationen / Aussagen, sowohl positiv, als auch negativ, KÖNNEN NACHHALTIG UND EFFEKTIV NUR in transzendenten Momenten erzählt werden.
Diese Aussage gilt uneingeschränkt für alle Kommunikationsformen.

Die Summe der (mikrostrukturellen) Erkenntnisse führt am Ende zum großen Erkenntnismoment, der in den emotionalen Höhepunkt fällt, den maximalen Transzendenz-Wert eines Werkes, einer Arbeit oder Kommunikation.

Dies ist der Moment von Katharsis; ein tiefer Läuterungsmoment -
ist die beherrschende Idee wahrhaftig und genügend tief.

Es lohnt sich immer zu fragen: was ist die spirituelle Reise meiner Figuren in meiner Erzählung / in meiner Kommunikation?
Was ist die spirituelle Reise der Rezipienten?

Für Spielfilme und viele andere teure Kunst- und Entertainmentformen gilt uneingeschränkt:
nur in Produktion gehen, wenn diese beiden Fragen klar beantwortet werden können und die Stationen dieser "Reise" tatsächlich funktionieren.

Künstlerische Arroganz oder Narzissmus ersetzen kein Handwerk.
TRAGÖDIE. ERZÄHLUNG OHNE KATHARSIS.
In der gut geschriebenen Tragödie finden temporäre Transzendenzmomente statt, jedoch wird dem Rezipienten ein kathartischer Moment verweigert.

Deswegen sind Tragödien (fast) ohne Ausnahme Systemkritiken.
Am Ende triumphiert das System, die Systemik.

Es ist dem Schöpfer nicht gelungen - oder er verzichtet bewusst, das Erzählsystem / Kommunikationssystem mit einem tiefen kathartischen Moment zu "sprengen".

Der / den handelnden Figur(en) gelingt es nicht, sein / ihr Lebenssystem zu überwinden.

Arbeiten / Werke / Filme mit offenen oder ambivalenten (nicht aufgelösten) Enden weisen ein vergleichbares Muster auf.

Bei vielen fehlt jedoch schlicht der Schlussakt.
Stacks Image 3652
©2014 decodingcinema.com / Janosch Orlowsky
FLOW-MODELL. TRANSZENDENZ OHNE ZIEL.
Ein Flow-Modell zielt auf Transzendenz durch Monotonie. Es gibt hier kein höheres Erzählziel oder eine beherrschende Idee, die zum Abschluss gebracht wird.
Die Monotonie selber ist das Erlebnisziel, das "Abschalten" des Verstandes oder der Ratio.

Auch andauerndes Unbewusstsein erzeugt spirituelles Erleben, hier zeigt sich erneut die Dualität unseres Daseins.


Flow-Modelle und -Handlungen, entstehen sie nicht in kreativen, schöpferischen, sportlichen, künstlerischen oder anderen zielgerichteten Prozessen, haben hohes Suchtpotential und somit zerstörerisches Potential für den Rezipienten / Aktanten.

Das "Hamsterrad des Alltags" - ohne einen tiefer empfundenen Lebenssinn mit kurzweiligen, ziellosen Entgrenzungsritualen - ähnelt leider bei vielen Menschen diesem Flow-Modell.
Terrence Malick brachte diesen Umstand in The Tree of Life mit folgendem Satz auf den Punkt:
Unless you love, your life will flash by.

Die Liebe, von der Malick spricht, kann in Ihrem Leben eine Berufung im Arbeitsleben (oder Ihrem sonstigen Handeln) sein oder natürlich ein anderer Mensch / andere Menschen.
Vielleicht haben Sie sogar das Glück, beides in Ihrem Leben zu haben.
Stacks Image 3762
©2014 decodingcinema.com / Janosch Orlowsky
Konditionierungen funktionieren im Übrigen nicht wie das Schokoladen-Modell - Information im transzendenten Moment - sie nutzen den Köder des spirituellen Erlebens und stellen - wie das Flow-Modell - einen Gewinn in Aussicht.

Das Fressen beim Pawlowschen Hund und dessen zielgerichtete Konditionierung ist ein solches Beispiel.

In modernen Leistungsgesellschaften werden diese Prinzipien vielfach und in allen möglichen Bereichen angewandt, sind jedoch nicht nachhaltig.

Pawlow erzeugte mit diesen Methoden zudem Neurosen bei den Versuchstieren.


KATHARSIS (1) - DRAMATURGIE UND WIEDERGEBURT © 2014 Janosch Orlowsky. Nachdruck und / oder Verbreitung nur mit schriftlicher Genehmigung.
APPENDIX #10-1: ERTRAGSGESETZ UND FALTUNGSKATASTROPHE.
Stacks Image 4258
Ich musste mich ein wenig umsehen, um für das Ertragsgesetz, das ich bereits mehrmals beschrieben habe, eine naturwissenschaftliche Herangehensweise zu finden.

Menschliches Interesse in einem dramaturgischen Erzählsystem, auch in der Kommunikation, folgt den physikalischen Gesetzen eines dynamischen Systems.

Die Erzählung selber / der Kommunikationsinhalt und Art der Erzählung ist hierbei als stabiles Extremum zu betrachten, das nach den zuvor genannten Kriterien und Faktoren aufgebaut wird.

Der Rezipient ist das instabile Extremum, das dem stabilen Extremum (Werk / Arbeit / Kommunikationsstrategie) innerhalb des dynamischen Systems folgt.

Erlischt das Interesse eines Rezipienten an einem Werk / einer Arbeit, einer Kommunikation, lässt sich dieser Umstand durch das Wesen einer Faltungskatastrophe erklären.

Das Ertragsgesetz ist die abgewandelte Form einer Faltungskatastrophe.

Am Bifurkationspunkt a=0 treffen das stabile Extremum (Kommunikationsinhalt) und das instabile Extremum (Rezipient) aufeinander und heben sich dort auf.

Das Gesamtsystem (Werk < > Rezipient) verliert seine Stabilität und kippt sein Verhalten um.

(Bild: Quelle Wikipedia)
Wenn Informationsgehalt und transzendenter Wert des Kommunikationsinhaltes (zu einem Teilaspekt oder gesamt) im Laufe einer Kommunikation ihren maximalen Nutzen für den Rezipienten erreichen, nimmt die Wirkung schlagartig ab bzw. verkehrt sich ins Gegenteil:

• über breit ausgewalzte, tragische Momente wird nun gelacht,
• überstrapazierte Witze ernten harsche Ablehnung,
• die vierte Computer-Effekt-Schlacht unter unveränderten Transzendenz- (T), Unbekannheits- (U) und Informationsparametern (I) erntet ein müdes Gähnen,
• ein Unternehmen wie MySpace verschwindet von der Bildfläche usw.

In monotonen Flow-Modellen (siehe oben) kommt es - je nach subjektivem Empfinden des Rezipienten (passive Rezeption) / Aktanten (z.B. Spieler beim Gaming, Social Media-Intensivnutzer usw.) später zur Faltungs-Katastrophe als in dramaturgisch aufgebauten Werken / Kommunikationsprojekten.

Zur Bestimmung von "Abnutzungseffekten" hilft es, das Wesen des betrachteten Systems zu erkennen, und empirische Grenzen / Grundbedingungen zu berücksichtigen.
Im Anschluss wird eine bestimmte Ereignislänge in Relation zu einer Gesamtzeitspanne (Erzählzeit) betrachtet.
Dieser Wert wird mit dem transzendenten Wirkungsgrad einer Sache in Korrelation gesetzt.
APPENDIX #10-1 - ERTRAGSGESETZ UND FALTUNGSKATASTROPHE © 2014 Janosch Orlowsky. Nachdruck und / oder Verbreitung nur mit schriftlicher Genehmigung.
APPENDIX #10-2: ZWISCHENFOLGERUNG FÜR EVOLUTIONSPROZESSE.
Jedes Drama, jede Kommunikation, jede menschliche Entwicklung und jeder (von Menschen gesteuerte) zielgerichtete Prozess entwickelt sich auf der linearen Zeitachse X.
Die Geschwindigkeit - und der mögliche Erfolg dieser Prozesse wird bestimmt durch die Summe der Differenzen in den Übergangsstadien zwischen einzelnen Prüfungen. Menschliche Entwicklung.
Hierzu gehört zwingend die bewusste Reflexion der Ereignisse.
So wächst Bewusstsein und letztendlich irreversibler und nachhaltiger Fortschritt / Evolution.
An den Überganspunkten / Entwicklungs- / Evolutionsschritten lässt sich direkt das oben beschriebene Modell der KATEGORISIERUNG MENSCHLICHER EMOTIONALER DYNAMIK anwenden.
Stacks Image 3952
©2014 decodingcinema.com / Janosch Orlowsky
Prozesse, die kein Eigenbewusstsein haben (z.B. derzeitige Formen von künstlicher Intelligenz, Algorithmen, hoch dynamische wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungsprozesse etc.) oder unbewusst vorangetrieben werden, entwickeln sich in der Y-Achse ausschließlich in eine Richtung.
Linear / exponentiell.
Diese Prozesse kennen kein Innehalten oder die Auseinandersetzung mit Erlebtem ( + / - ).

Diese hoch dynamischen Prozesse erzeugen jedoch einen annähernd asymmetrisch verlaufenden Emergenzwert - Unbewusstsein als eine Art Schattenfunktion.

Verlieren derartige Systeme ihre Stabilität, kehren sich ihre Wirkungen um. Derartige Ereignisse können zu Katastrophen führen (beispielsweise schwere Wirtschaftskrisen, Kriege etc..)

Mikrostrukturell lässt sich dieses Konzept direkt zurück auf das Individuum übertragen - Bewusstsein führt zu Weiterentwicklung.

Unbewusstsein führt zu Unglück und Stillstand bzw. sogar evolutionärer Rückentwicklung. Aktuelle Forschungen stellen Tendenzen zum Rückgang von Intelligenz fest, was im Umkehrschluss viel über unsere Zeit verrät.
Stacks Image 3958
©2014 decodingcinema.com / Janosch Orlowsky
APPENDIX #10-3 - ZWISCHENFOLGERUNG FÜR EVOLUTIONSPROZESSE © 2014 Janosch Orlowsky. Nachdruck und / oder Verbreitung nur mit schriftlicher Genehmigung.
APPENDIX #10-3: DERZEITIGE GESELLSCHAFTLICHE KERNKONFLIKTE.
Der größte Kernkonflikt in Zeiten des Digitalwandels, einer evolutionären Zeitenwende, stellt sich auf gesellschaftlicher Ebene wie folgt dar:
Ökonomie < > menschliche Wertschöpfung


Auf menschlicher Ebene erzeugen die rasanten Entwicklungen folgendes Kernspannungsfeld:
Zugehörigkeit < > Bewusstsein


Überlegen Sie sich deswegen genau, wie Sie sich mit Ihren Handlungen positionieren, unabhängig von Ideologie, Politik oder affektiven, persönlichen Interessen.

Hierzu ein kleines, wertneutrales Spiel, es ist Ihre ganz persönliche Geschichte.

Lösen Sie dieses Rätsel für sich, wissen Sie, wo Sie in Zeiten des digitalen Wandels und der massiven Beschleunigung stehen.
MENSCHLICH < > MEM

ENDLICH < > OPTIMIERUNGSORIENTIERT

SUCHEND < > EXPONENTIELL

GEFÜHL < > MOORE

GÜTE < > KAPAZITÄT

VERTRAUEN < > PROFIT

OFFENHEIT < > KONTROLLE

TEAMWORK < > DARWINISMUS

SHAKESPEARE < > i
APPENDIX #10-2 - DERZEITIGE GESELLSCHAFTLICHE KERNKONFLIKTE © 2014 Janosch Orlowsky. Nachdruck und / oder Verbreitung nur mit schriftlicher Genehmigung.