#8: TRANSZENDENZ.
ZWISCHEN DEN WELTEN UND DER ZAUBER DES NEUEN.

Foto ©2014 Janosch Orlowsky
(20.08.2014) Wie und wann entsteht Transzendenz, wie wirkt sie auf unser Bewusstsein, unsere Gefühle? Warum ist sie meist nur kurzweilig?
Transzendenz ist eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für Katharsis in der Dramaturgie, aber auch im Leben. Wie lässt sie sich bewusst und gezielt in Film, Kunst, Medien und Kommunikation erzielen und einsetzen?
Transzendenz ist eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für Katharsis in der Dramaturgie, aber auch im Leben. Wie lässt sie sich bewusst und gezielt in Film, Kunst, Medien und Kommunikation erzielen und einsetzen?
ZWISCHEN DEN WELTEN.
Transzendenz ist Ziel des menschlichen Strebens nach Entgrenzung, wobei sie sich in unendlich vielen Momenten unseres Alltages findet.
Transzendente Momente finden immer im Moment von Grenzüberschreitungen statt.
Mindestens zwei Systeme / Zustände oder auch Emotionen treffen aufeinander.
Dabei entsteht eine kurze Übergangsphase, ein "Schwebezustand", den wir mal bewusster, mal unbewusster wahrnehmen.
Oft jedoch bemerken wir ihn nicht, weil wir mit anderen Dingen beschäftigt sind, im Alltagsstress Dingen hinterherlaufen und alles andere als gegenwärtig sind.
So verpassen wir schöne, wahrhaftige Momente, in denen die besten und stärksten kreativen Ideen entstehen können, Augenblicke der Berührung, für die wir oftmals blind sind.
Transzendenz ist überall anzutreffen.
Die fliegende, vor sich hin segelnde Plastiktüte in "American Beauty" ist so ein Moment.
Im Kleinen, scheinbar Unbedeutenden, offenbart sich die Magie des Lebens.
Oder ganz banal: Transzendenz kann sich in einem Wetterumschwung (der Geruch von Regen nach einer Hitzeperiode vor dem großen, abkühlenden Schauer) oder in einem Wechsel der Tageszeit zeigen ("Twilight", "Magic Hour"), wenn jemand das Büro verlässt und nach Hause fährt (Feierabend), wenn Wasser seinen Aggregatzustand verändert.
Selbst in wirtschaftlichen oder dynamischen Gesellschaftsprozessen ist Transzendenz anzutreffen: der Mauerfall 1989, ein Fußball-WM-Sieg, der Moment des Eintretens einer schweren Wirtschaftskrise.
Eine der wichtigsten Aufgaben eines Dramaturgen, Autoren, Künstlers oder Kreativen besteht darin, Transzendenz für Rezipienten erlebbar zu machen.
Dies ist in jeglicher Kommunikationsform, auch in der Werbung, ein mächtiges Mittel, um andere Menschen zu berühren, zu verzaubern, manchmal auch zu erschrecken oder verängstigen.
In einem Horrorfilm beispielsweise wird das Prinzip des menschlichen Entgrenzungsstrebens fast exakt symmetrisch auf den Kopf gestellt und mit Angst bzw. der Erwartung des Schlimmsten gespielt.
Vielleicht nehmen wir bewusst nur die Oberfläche von zwei kollidierenden Systemen wahr - Transzendenz entsteht jedoch exakt dort, wo zwei Dinge, die in ihrem Kern verschiedene Emotionen tragen, aufeinandertreffen und dies vom Rezipienten wahrgenommen wird.
Der bewusst wahrgenommene Schwebezustand zwischen diesen beiden Feldern ist der Moment, in dem Transzendenz entsteht, sie ist im Alltag jedoch meist kurzlebig und offenbart sich in kurzen, rauschartigen Gastspielen, die aber bald wieder vorüber sind.
Transzendente Momente finden immer im Moment von Grenzüberschreitungen statt.
Mindestens zwei Systeme / Zustände oder auch Emotionen treffen aufeinander.
Dabei entsteht eine kurze Übergangsphase, ein "Schwebezustand", den wir mal bewusster, mal unbewusster wahrnehmen.
Oft jedoch bemerken wir ihn nicht, weil wir mit anderen Dingen beschäftigt sind, im Alltagsstress Dingen hinterherlaufen und alles andere als gegenwärtig sind.
So verpassen wir schöne, wahrhaftige Momente, in denen die besten und stärksten kreativen Ideen entstehen können, Augenblicke der Berührung, für die wir oftmals blind sind.
Transzendenz ist überall anzutreffen.
Die fliegende, vor sich hin segelnde Plastiktüte in "American Beauty" ist so ein Moment.
Im Kleinen, scheinbar Unbedeutenden, offenbart sich die Magie des Lebens.
Oder ganz banal: Transzendenz kann sich in einem Wetterumschwung (der Geruch von Regen nach einer Hitzeperiode vor dem großen, abkühlenden Schauer) oder in einem Wechsel der Tageszeit zeigen ("Twilight", "Magic Hour"), wenn jemand das Büro verlässt und nach Hause fährt (Feierabend), wenn Wasser seinen Aggregatzustand verändert.
Selbst in wirtschaftlichen oder dynamischen Gesellschaftsprozessen ist Transzendenz anzutreffen: der Mauerfall 1989, ein Fußball-WM-Sieg, der Moment des Eintretens einer schweren Wirtschaftskrise.
Eine der wichtigsten Aufgaben eines Dramaturgen, Autoren, Künstlers oder Kreativen besteht darin, Transzendenz für Rezipienten erlebbar zu machen.
Dies ist in jeglicher Kommunikationsform, auch in der Werbung, ein mächtiges Mittel, um andere Menschen zu berühren, zu verzaubern, manchmal auch zu erschrecken oder verängstigen.
In einem Horrorfilm beispielsweise wird das Prinzip des menschlichen Entgrenzungsstrebens fast exakt symmetrisch auf den Kopf gestellt und mit Angst bzw. der Erwartung des Schlimmsten gespielt.
Vielleicht nehmen wir bewusst nur die Oberfläche von zwei kollidierenden Systemen wahr - Transzendenz entsteht jedoch exakt dort, wo zwei Dinge, die in ihrem Kern verschiedene Emotionen tragen, aufeinandertreffen und dies vom Rezipienten wahrgenommen wird.
Der bewusst wahrgenommene Schwebezustand zwischen diesen beiden Feldern ist der Moment, in dem Transzendenz entsteht, sie ist im Alltag jedoch meist kurzlebig und offenbart sich in kurzen, rauschartigen Gastspielen, die aber bald wieder vorüber sind.

WARUM WIR WEINEN
Vor wenigen Tagen stieß ich auf einen Artikel in der SZ: "Zum Heulen" (15.08.2014)
Es ging darin um die Frage, warum wir weinen.
Nachdem ich über die ausufernden Erklärungsversuche der Wissenschaftler nachgedacht habe, habe ich vermutlich die verblüffend einfache Antwort auf diese Frage entdeckt.
Das Weinen selber hat, bis auf die reinigende Funktion z.B. bei Fremdkörpern oder Verschmutzungen in den Augen, auf den ersten Blick keine Funktion.
Das emotionale Weinen ist jedoch Ausdruck menschlicher Transzendenz und somit eine elementare, nichtverbale Kommunikationsform.
Zwei Systeme kollidieren (meist innerlich).
Hier zwei einfache, völlig entgegengesetzte Beispiele:
• Ungewissheit wird zu Freude
• Traurigkeit wird zu Loslassen (oder Hingabe)
Selbst Freudentränen zeugen vom Übergang eines Zustandes in einen anderen.
Eine Emotion trifft auf eine andere, Transzendenz tritt ein - ein Schwebezustand zwischen zwei verschiedenen inneren Systemen des Menschen - Emotionen.
Hier findet sich abermals direkt die Dualität unseres Daseins:
das Weinen kann sowohl Ausdruck eines positiven Erfahrens, als auch Ausdruck eines Übergangs in einen sehr düsteren emotionalen Zustand sein.
Aus diesem Grund fragt Arnold Schwarzenegger als Terminator den erschöpften und verzweifelten jungen John Connor, warum Menschen weinen (Terminator 2). Und Francois Truffaut lässt das weinende Mädchen in ihrem roten Kleid auf die Frage, ob sie nicht weine, weil es ihr auch Spaß mache, antworten: "Ja stimmt, es macht auch ein bisschen Spaß." (Der Mann, der die Frauen liebte).
Vielleicht kennt die Metaphysik des Kinos die Antworten der Wissenschaft, bevor diese sie gefunden hat.
Im oben genannten SZ-Artikel findet sich auch die Frage, warum etliche Männer bei weinenden Sexualpartnerinnen weniger Lust empfinden, bzw. der Testosteronspiegel merklich sinkt.
Weinen schafft wahrscheinlich eine tiefe, unterbewusste und nicht verbale Bindung, zumindest bei Menschen mit einigermaßen intakt funktionierenden Spiegelneuronen.
Der Trigger ist in diesem Moment die sichtbare, weibliche Träne.
Auf der Metaebene wird in den betroffenen Männern ein tiefes, aus sich selbst bekanntes Gefühl adressiert. Selbst die härtesten Männer haben schon geweint, weswegen sie tief in sich fühlen, was gerade in der Frau vorgeht. Das Wissen um den Übergang zwischen zwei emotionalen „Aggregatzuständen“ tragen die meisten Menschen in sich.
Der Übergang von einem inneren Zustand zu einem anderen:
das Loslassen einer lange gehaltenen oder das Zulassen einer unterdrückten inneren Emotion erzeugt einen transzendenten Zustand: eine Emotion wird zu einer anderen.
Dies wird im Akt des Weinens ausgedrückt, sich selbst und einem Gegenüber kommuniziert.
Das tiefe, gespiegelte Erfahren des Innenzustandes der Partnerin lässt die Männer die Testosteronproduktion drosseln und sorgt vermutlich eher für die Ausschüttung von Botenstoffen wie Oxytocin ("Bindungshormon") sowie wahrscheinlich auch von Endorphinen und Serotonin.
Dieser nichtverbale Kommunikationsakt stellt eine spirituelle, metaphysische Bindung zwischen "Drama" (Frau :-)) und "Rezipient" (Mann) her.
Im Prinzip ist das Weinen selber und dessen Spiegelung per se ein Akt von Verbundenheit - eine meist unbewusste, tiefe Berührung wie zwischen einem Werk (oder einer Arbeit) und dem Rezipienten.
Viele Menschen haben Sex, um kurze (oder etwas längere) transzendente Momente zu erleben.
Die im sexuellen Akt angestrebte spirituelle Verbundenheit und das spirituelle Erleben selber werden praktisch „vorweggenommen“ oder auch für einen Moment egalisiert.
Das Bedürfnis, Sexualität in diesem Moment zu leben, sinkt (für den männlichen Part) - zumindest kurzfristig.
Den Verhaltensforschern wäre vielleicht zu empfehlen, an der Quelle, am Kern zu suchen, was bedeutet, die Koinzidenz zwischen der Aktivität der männlichen Spiegelneurone und der Ausschüttung von Oxytocin, Endorphinen und Serotonin zu untersuchen - nicht nur das Symptom: die reduzierte Ausschüttung von Testosteron.
Auch hier wird sich das Arbeiten vom Kern vermutlich auszahlen.
Es ging darin um die Frage, warum wir weinen.
Nachdem ich über die ausufernden Erklärungsversuche der Wissenschaftler nachgedacht habe, habe ich vermutlich die verblüffend einfache Antwort auf diese Frage entdeckt.
Das Weinen selber hat, bis auf die reinigende Funktion z.B. bei Fremdkörpern oder Verschmutzungen in den Augen, auf den ersten Blick keine Funktion.
Das emotionale Weinen ist jedoch Ausdruck menschlicher Transzendenz und somit eine elementare, nichtverbale Kommunikationsform.
Zwei Systeme kollidieren (meist innerlich).
Hier zwei einfache, völlig entgegengesetzte Beispiele:
• Ungewissheit wird zu Freude
• Traurigkeit wird zu Loslassen (oder Hingabe)
Selbst Freudentränen zeugen vom Übergang eines Zustandes in einen anderen.
Eine Emotion trifft auf eine andere, Transzendenz tritt ein - ein Schwebezustand zwischen zwei verschiedenen inneren Systemen des Menschen - Emotionen.
Hier findet sich abermals direkt die Dualität unseres Daseins:
das Weinen kann sowohl Ausdruck eines positiven Erfahrens, als auch Ausdruck eines Übergangs in einen sehr düsteren emotionalen Zustand sein.
Aus diesem Grund fragt Arnold Schwarzenegger als Terminator den erschöpften und verzweifelten jungen John Connor, warum Menschen weinen (Terminator 2). Und Francois Truffaut lässt das weinende Mädchen in ihrem roten Kleid auf die Frage, ob sie nicht weine, weil es ihr auch Spaß mache, antworten: "Ja stimmt, es macht auch ein bisschen Spaß." (Der Mann, der die Frauen liebte).
Vielleicht kennt die Metaphysik des Kinos die Antworten der Wissenschaft, bevor diese sie gefunden hat.
Im oben genannten SZ-Artikel findet sich auch die Frage, warum etliche Männer bei weinenden Sexualpartnerinnen weniger Lust empfinden, bzw. der Testosteronspiegel merklich sinkt.
Weinen schafft wahrscheinlich eine tiefe, unterbewusste und nicht verbale Bindung, zumindest bei Menschen mit einigermaßen intakt funktionierenden Spiegelneuronen.
Der Trigger ist in diesem Moment die sichtbare, weibliche Träne.
Auf der Metaebene wird in den betroffenen Männern ein tiefes, aus sich selbst bekanntes Gefühl adressiert. Selbst die härtesten Männer haben schon geweint, weswegen sie tief in sich fühlen, was gerade in der Frau vorgeht. Das Wissen um den Übergang zwischen zwei emotionalen „Aggregatzuständen“ tragen die meisten Menschen in sich.
Der Übergang von einem inneren Zustand zu einem anderen:
das Loslassen einer lange gehaltenen oder das Zulassen einer unterdrückten inneren Emotion erzeugt einen transzendenten Zustand: eine Emotion wird zu einer anderen.
Dies wird im Akt des Weinens ausgedrückt, sich selbst und einem Gegenüber kommuniziert.
Das tiefe, gespiegelte Erfahren des Innenzustandes der Partnerin lässt die Männer die Testosteronproduktion drosseln und sorgt vermutlich eher für die Ausschüttung von Botenstoffen wie Oxytocin ("Bindungshormon") sowie wahrscheinlich auch von Endorphinen und Serotonin.
Dieser nichtverbale Kommunikationsakt stellt eine spirituelle, metaphysische Bindung zwischen "Drama" (Frau :-)) und "Rezipient" (Mann) her.
Im Prinzip ist das Weinen selber und dessen Spiegelung per se ein Akt von Verbundenheit - eine meist unbewusste, tiefe Berührung wie zwischen einem Werk (oder einer Arbeit) und dem Rezipienten.
Viele Menschen haben Sex, um kurze (oder etwas längere) transzendente Momente zu erleben.
Die im sexuellen Akt angestrebte spirituelle Verbundenheit und das spirituelle Erleben selber werden praktisch „vorweggenommen“ oder auch für einen Moment egalisiert.
Das Bedürfnis, Sexualität in diesem Moment zu leben, sinkt (für den männlichen Part) - zumindest kurzfristig.
Den Verhaltensforschern wäre vielleicht zu empfehlen, an der Quelle, am Kern zu suchen, was bedeutet, die Koinzidenz zwischen der Aktivität der männlichen Spiegelneurone und der Ausschüttung von Oxytocin, Endorphinen und Serotonin zu untersuchen - nicht nur das Symptom: die reduzierte Ausschüttung von Testosteron.
Auch hier wird sich das Arbeiten vom Kern vermutlich auszahlen.
VERÄNDERUNG
Erst im Laufe der Zeit, durch mehrere Prüfungen, entsteht bei den meisten Menschen ein innerer Wandel.
Findet in erlebter Transzendenz zusätzlich ein tiefer, kathartischer Moment statt, der zu einer Erkenntnis führt und vielleicht sogar zu einer Veränderung, ist das Maximalziel einer filmischen Erzählung oder eines künstlerischen Aktes erreicht.
Es ist, als würden wir uns eine schlechte Angewohnheit abgewöhnen.
Oder lernen, glücklich zu sein.
Beides geschieht nicht über Nacht.
Nach genau diesem Prinzip des menschlichen Lebens, der seelischen Latenz, die sich mit jedem Erleben bei bewussten oder nach Bewusstsein strebenden Menschen verkürzt, funktioniert Dramaturgie.
Jedoch wesentlich komprimierter.
Den vereinfacht dargestellten, generischen Ablauf, wie Veränderungsprozesse in Menschen funktionieren, kann man unmittelbar mit dem Muster vergleichen, nach dem jeder berührende, erfolgreiche Film aufgebaut ist.
Findet in erlebter Transzendenz zusätzlich ein tiefer, kathartischer Moment statt, der zu einer Erkenntnis führt und vielleicht sogar zu einer Veränderung, ist das Maximalziel einer filmischen Erzählung oder eines künstlerischen Aktes erreicht.
Es ist, als würden wir uns eine schlechte Angewohnheit abgewöhnen.
Oder lernen, glücklich zu sein.
Beides geschieht nicht über Nacht.
Nach genau diesem Prinzip des menschlichen Lebens, der seelischen Latenz, die sich mit jedem Erleben bei bewussten oder nach Bewusstsein strebenden Menschen verkürzt, funktioniert Dramaturgie.
Jedoch wesentlich komprimierter.
Den vereinfacht dargestellten, generischen Ablauf, wie Veränderungsprozesse in Menschen funktionieren, kann man unmittelbar mit dem Muster vergleichen, nach dem jeder berührende, erfolgreiche Film aufgebaut ist.

©2014 decodingcinema.com / Janosch Orlowsky
Die Horizontale ist die Zeitachse (t), die Vertikale die Ausprägung von Handlungen und Ereignissen (H) im Kernspannungsfeld einer Arbeit / eines Werkes.
Hier die Erläuterung der Ereignisse im oben dargestellten Prinzip.
• GRUNDSITUATION: Zunächst gibt es eine ungestörte Grundsituation. (Nulllinie)
• TRIGGER > WUNSCH: Durch ein auslösendes Ereignis, eine Störung, oder auch einen positiven Impuls (Begehren, Wollen, Wünschen) entsteht in uns der Wunsch / das Bedürfnis nach Veränderung, manchmal auch eine existentielle Unzufriedenheit. Im Drama ist wegen der Komprimierung des Lebens das auslösende Ereignis zwingender - eine existentielle Bedrohung oder ein übergroßes Traumziel.
• ZÖGERN / WEIGERUNG: Zunächst zweifeln wir an unserem Wunsch, unseren Fähigkeiten, unseren Möglichkeiten, unserem Potential. Wir folgen einen Moment lang unserem Streben nach Sicherheit, aus Angst zu scheitern, aus Angst nicht zu genügen, aus Angst vor dem System usw. Irgendetwas tief in uns lässt uns jedoch keine Ruhe. Wir spüren vielleicht eine tiefe Unzufriedenheit, ein Unglück oder auch einen positiven Drang, etwas zu verändern...
• VERÄNDERUNG (POINT OF NO RETURN): Schließlich fassen wir den Wunsch zur Veränderung und machen einen entscheidenden Schritt. Im Drama ist dies der Punkt ohne Wiederkehr, der eigentliche Beginn der "Heldenreise" (wenn man einem gewissen Drehbuchlehrer folgt). Wir überschreiten eine erste Grenze und können nicht mehr zurück, was in der Dramaturgie auch tatsächlich auf diese Weise zugespitzt wird.
• PRÜFUNGEN / RÜCKSCHLÄGE*: Es folgen mehrere Prüfungen und Rückschläge, sowohl im wahren Leben als auch in der Dramaturgie. Wir verfügen noch nicht über die Fähigkeiten, unserem Ziel näher zu kommen, in der Dramaturgie ist das offensichtliche Streben nach einem klaren Ziel der Motor des Plots - des sichtbaren Teils der Geschichte.
• HAUPTPRÜFUNG**: Nach den ersten Prüfungen (die in einer Erzählung bei entsprechender Originalität durchaus mehr als zwei sein können) steht die große Hauptprüfung an, wir treffen mit voller Wucht auf die Widerstände, die antagonistischen Kräfte, die uns davon abhalten, unser angestrebtes Ziel zu erreichen.
• SCHEITERN AN DER HAUPTPRÜFUNG*: In der Dramaturgie - und nicht selten auch im wahren Leben - verlangt diese Konfrontation große Opfer und es kommt zu einer möglichen späteren Katastrophe. Wir müssen noch scheitern, da wir noch immer nicht über die Fähigkeiten und das Bewusstsein verfügen, um diese Prüfung zu meistern.
An diesem Punkt geben im echten Leben viele Menschen auf, was wiederum einer der Gründe ist, warum kathartischen Filmenden eine große Verführungskraft innewohnt.
• TIEFSTER PUNKT: im TIEFSTEN PUNKT (Leben / Dramaturgie) kommt es zu einer wichtigen Grunderkenntnis, zu Bewusstsein, was uns hilft Dinge zu erkennen und zu verstehen, unser bisher gesammeltes Wissen und unsere Erfahrungen zielgerichtet einzusetzen. Nicht selten geben wir in diesen Momenten auch das ursprüngliche Ziel (Want) auf, weil wir durch den Erkenntnisprozess zur Einsicht gekommen sind, was die Sache in ihrem Kern ist. Im Prinzip überwinden wir in diesem Moment im wahren Leben unser Ego und werden uns einer bestimmten Sache im Kern bewusst. Wir erkennen den eigentlichen Sachverhalt, um den es zu kämpfen lohnt.
• LERNPROZESS / WENDEPUNKT VOR SCHLUSSAKT: Diese neue Fähigkeit führt zu Klarheit, zu einer praktischen Anwendung des Erfahrenen / Erlernten und hilft uns, der IMMATERIELLEN SACHE, die wir im Inneren eines Objektes / Ziels erkannt haben, näher zu kommen. Einer persönlichen Weiterentwicklung, einem immateriellen Wertgewinn.
• ENDPRÜFUNG: In der Endprüfung müssen wir unter Beweis stellen, dass wir innerlich gereift sind, dass wir zu einer tiefen Erkenntnis über unsere Existenz, über unser Leben gekommen sind. Das ist in der Dramaturgie nicht selten der Endkampf, der Showdown o.ä.
• EMOTIONALER HÖHEPUNKT / KATHARSIS / LÄUTERUNG: im emotionalen Höhepunkt kollidieren im echten Leben (z.B. Schlusspfiff bei Fußball-WM-Finale 2014) wie auch in der Dramaturgie zum letzten Mal zwei Systeme - ein absolut transzendenter, berührender Moment - in dem ein altes, überkommenes, nicht selten unglücklich machendes (Werte)System überwunden wird.
Der Erfolg in der Endprüfung bestätigt zudem unser gesamtes bisheriges Streben.
Bei entsprechendem Aufbau einer dramaturgischen Arbeit entsteht in diesem Moment eine tiefe Katharsis und eine Läuterung der Rezipienten.
• ENDE / ANWENDUNG: Das Ende zeigt manchmal noch eine Anwendung des Erlernten, eine kurze Szene oder ein Augenblick des Innehaltens, manchmal auch einen Kiss-Off, mit dem die Rezipienten z.B. aus dem Kino oder nach einer bewegenden Rede wieder entlassen werden.
Filme sind nun zu Ende, im wahren Leben wirken tief gehende Bewusstseinsveränderungen länger nach.
*Parallel zu den äußeren Entwicklungen - Prüfungen, Rückschläge, kontinuierliche Steigerungen (mehr Risikobereitschaft, heftigere Rückschläge) und so weiter - findet bei offenen Menschen im wahren Leben - wie auch in der Dramaturgie - eine Bewusstseinsentwicklung statt.
**In der filmischen Dramaturgie liegt die Mid Act-Climax oder auch "Hauptprüfung" (Peripetie) nicht selten tatsächlich in der ungefähren (zeitlichen) Mitte des Films. Oft folgt danach ein retardierendes, entschleunigendes Moment, was im Prinzip der Besinnung dient, bevor es zum tiefsten Punkt und zum Schlussakt kommt.
Hier die Erläuterung der Ereignisse im oben dargestellten Prinzip.
• GRUNDSITUATION: Zunächst gibt es eine ungestörte Grundsituation. (Nulllinie)
• TRIGGER > WUNSCH: Durch ein auslösendes Ereignis, eine Störung, oder auch einen positiven Impuls (Begehren, Wollen, Wünschen) entsteht in uns der Wunsch / das Bedürfnis nach Veränderung, manchmal auch eine existentielle Unzufriedenheit. Im Drama ist wegen der Komprimierung des Lebens das auslösende Ereignis zwingender - eine existentielle Bedrohung oder ein übergroßes Traumziel.
• ZÖGERN / WEIGERUNG: Zunächst zweifeln wir an unserem Wunsch, unseren Fähigkeiten, unseren Möglichkeiten, unserem Potential. Wir folgen einen Moment lang unserem Streben nach Sicherheit, aus Angst zu scheitern, aus Angst nicht zu genügen, aus Angst vor dem System usw. Irgendetwas tief in uns lässt uns jedoch keine Ruhe. Wir spüren vielleicht eine tiefe Unzufriedenheit, ein Unglück oder auch einen positiven Drang, etwas zu verändern...
• VERÄNDERUNG (POINT OF NO RETURN): Schließlich fassen wir den Wunsch zur Veränderung und machen einen entscheidenden Schritt. Im Drama ist dies der Punkt ohne Wiederkehr, der eigentliche Beginn der "Heldenreise" (wenn man einem gewissen Drehbuchlehrer folgt). Wir überschreiten eine erste Grenze und können nicht mehr zurück, was in der Dramaturgie auch tatsächlich auf diese Weise zugespitzt wird.
• PRÜFUNGEN / RÜCKSCHLÄGE*: Es folgen mehrere Prüfungen und Rückschläge, sowohl im wahren Leben als auch in der Dramaturgie. Wir verfügen noch nicht über die Fähigkeiten, unserem Ziel näher zu kommen, in der Dramaturgie ist das offensichtliche Streben nach einem klaren Ziel der Motor des Plots - des sichtbaren Teils der Geschichte.
• HAUPTPRÜFUNG**: Nach den ersten Prüfungen (die in einer Erzählung bei entsprechender Originalität durchaus mehr als zwei sein können) steht die große Hauptprüfung an, wir treffen mit voller Wucht auf die Widerstände, die antagonistischen Kräfte, die uns davon abhalten, unser angestrebtes Ziel zu erreichen.
• SCHEITERN AN DER HAUPTPRÜFUNG*: In der Dramaturgie - und nicht selten auch im wahren Leben - verlangt diese Konfrontation große Opfer und es kommt zu einer möglichen späteren Katastrophe. Wir müssen noch scheitern, da wir noch immer nicht über die Fähigkeiten und das Bewusstsein verfügen, um diese Prüfung zu meistern.
An diesem Punkt geben im echten Leben viele Menschen auf, was wiederum einer der Gründe ist, warum kathartischen Filmenden eine große Verführungskraft innewohnt.
• TIEFSTER PUNKT: im TIEFSTEN PUNKT (Leben / Dramaturgie) kommt es zu einer wichtigen Grunderkenntnis, zu Bewusstsein, was uns hilft Dinge zu erkennen und zu verstehen, unser bisher gesammeltes Wissen und unsere Erfahrungen zielgerichtet einzusetzen. Nicht selten geben wir in diesen Momenten auch das ursprüngliche Ziel (Want) auf, weil wir durch den Erkenntnisprozess zur Einsicht gekommen sind, was die Sache in ihrem Kern ist. Im Prinzip überwinden wir in diesem Moment im wahren Leben unser Ego und werden uns einer bestimmten Sache im Kern bewusst. Wir erkennen den eigentlichen Sachverhalt, um den es zu kämpfen lohnt.
• LERNPROZESS / WENDEPUNKT VOR SCHLUSSAKT: Diese neue Fähigkeit führt zu Klarheit, zu einer praktischen Anwendung des Erfahrenen / Erlernten und hilft uns, der IMMATERIELLEN SACHE, die wir im Inneren eines Objektes / Ziels erkannt haben, näher zu kommen. Einer persönlichen Weiterentwicklung, einem immateriellen Wertgewinn.
• ENDPRÜFUNG: In der Endprüfung müssen wir unter Beweis stellen, dass wir innerlich gereift sind, dass wir zu einer tiefen Erkenntnis über unsere Existenz, über unser Leben gekommen sind. Das ist in der Dramaturgie nicht selten der Endkampf, der Showdown o.ä.
• EMOTIONALER HÖHEPUNKT / KATHARSIS / LÄUTERUNG: im emotionalen Höhepunkt kollidieren im echten Leben (z.B. Schlusspfiff bei Fußball-WM-Finale 2014) wie auch in der Dramaturgie zum letzten Mal zwei Systeme - ein absolut transzendenter, berührender Moment - in dem ein altes, überkommenes, nicht selten unglücklich machendes (Werte)System überwunden wird.
Der Erfolg in der Endprüfung bestätigt zudem unser gesamtes bisheriges Streben.
Bei entsprechendem Aufbau einer dramaturgischen Arbeit entsteht in diesem Moment eine tiefe Katharsis und eine Läuterung der Rezipienten.
• ENDE / ANWENDUNG: Das Ende zeigt manchmal noch eine Anwendung des Erlernten, eine kurze Szene oder ein Augenblick des Innehaltens, manchmal auch einen Kiss-Off, mit dem die Rezipienten z.B. aus dem Kino oder nach einer bewegenden Rede wieder entlassen werden.
Filme sind nun zu Ende, im wahren Leben wirken tief gehende Bewusstseinsveränderungen länger nach.
*Parallel zu den äußeren Entwicklungen - Prüfungen, Rückschläge, kontinuierliche Steigerungen (mehr Risikobereitschaft, heftigere Rückschläge) und so weiter - findet bei offenen Menschen im wahren Leben - wie auch in der Dramaturgie - eine Bewusstseinsentwicklung statt.
**In der filmischen Dramaturgie liegt die Mid Act-Climax oder auch "Hauptprüfung" (Peripetie) nicht selten tatsächlich in der ungefähren (zeitlichen) Mitte des Films. Oft folgt danach ein retardierendes, entschleunigendes Moment, was im Prinzip der Besinnung dient, bevor es zum tiefsten Punkt und zum Schlussakt kommt.
WANT UND NEED - DRAMA (KOMÖDIE)
Want und Need - in der Dramaturgie wie im Leben - sind nichts weiter als offensichtliches Sehnen / Wünschen (WANT) und die Entwicklung von Bewusstsein (NEED) für ein tiefes, zunächst verborgenes universelles, menschliches Bedürfnis.
In dem Moment, in dem in einem Drama / einer Komödie (positiver Ausgang, positive Entwicklung, positive Haltung des Schöpfers) die Bewusstseinsentwicklung (Need-Verlauf) das Want überschreitet, findet ein Bewusstseinswandel statt (Schwarzer Kreis in Grafik).
Die Horizontale ist die Zeitachse (t), die Vertikale die Ausprägung von Handlungen und Ereignissen (H) im Kernspannungsfeld einer Arbeit / eines Werkes.
In dem Moment, in dem in einem Drama / einer Komödie (positiver Ausgang, positive Entwicklung, positive Haltung des Schöpfers) die Bewusstseinsentwicklung (Need-Verlauf) das Want überschreitet, findet ein Bewusstseinswandel statt (Schwarzer Kreis in Grafik).
Die Horizontale ist die Zeitachse (t), die Vertikale die Ausprägung von Handlungen und Ereignissen (H) im Kernspannungsfeld einer Arbeit / eines Werkes.

©2014 decodingcinema.com / Janosch Orlowsky
Leider gibt es in schlecht gemachten Filmen an dieser Stelle oftmals lediglich eine billige Plot-Wendung - ohne dass jedoch eine innere Bewusstseinsveränderung in einer Figur stattfindet.
Das kann manchmal sehr spektakulär sein, verhindert jedoch einen späteren kathartischen Moment mit einer Erkenntnis in seiner gesamten Tiefe und Dimension.
Bisherige dramaturgische Untersuchungsansätze wie beispielsweise die der Neuromarketing Labs sind unzureichend, da sie verkennen, dass weder Spannung noch Bewusstseinsentwicklung und Berührung in einer eindimensionalen Entwicklung stattfinden oder sich auf diese Weise entfalten.
Die Berücksichtigung der Zeitkomponente (Erzählzeit = komprimierte Lebenszeit) sowie die Berücksichtigung der sowohl positiven als auch negativen Ereignisse einer Entwicklung sind elementar, um menschliche Gefühle und die Entwicklung von Veränderungen (im Leben und dramaturgisch) tatsächlich zu erkennen und zu verstehen.
Es nutzt in einem Gesamtkonstrukt nichts, einzelne Emotionen isoliert zu betrachten und zu bewerten, dies lohnt bei manchen Phänomenen der Verhaltensforschung, nicht jedoch bei der Betrachtung von Filmen oder anderen Werken bzw. Kommunikationsformen mit Zeitkomponente.
Zu jedem menschlichen Entwicklungsschritt gehören Rückschläge, Angst und Zweifel genau wie Erfolgserlebnisse und positive Erfahrungen.
Die Emotionen entstehen hierbei wie bei allen Dingen im Spannungsfeld zwischen dem Streben nach Entgrenzung (positive Entwicklungen) und Angst (negative Entwicklungen).
Deswegen hat der Spruch "No pain, no gain" tatsächlich uneingeschränkte Gültigkeit.
Warum sollte uns in einer Erzählung etwas Lebensfremdes und emotional Künstliches in den Bann ziehen, Involviertheit schaffen?
Das kann manchmal sehr spektakulär sein, verhindert jedoch einen späteren kathartischen Moment mit einer Erkenntnis in seiner gesamten Tiefe und Dimension.
Bisherige dramaturgische Untersuchungsansätze wie beispielsweise die der Neuromarketing Labs sind unzureichend, da sie verkennen, dass weder Spannung noch Bewusstseinsentwicklung und Berührung in einer eindimensionalen Entwicklung stattfinden oder sich auf diese Weise entfalten.
Die Berücksichtigung der Zeitkomponente (Erzählzeit = komprimierte Lebenszeit) sowie die Berücksichtigung der sowohl positiven als auch negativen Ereignisse einer Entwicklung sind elementar, um menschliche Gefühle und die Entwicklung von Veränderungen (im Leben und dramaturgisch) tatsächlich zu erkennen und zu verstehen.
Es nutzt in einem Gesamtkonstrukt nichts, einzelne Emotionen isoliert zu betrachten und zu bewerten, dies lohnt bei manchen Phänomenen der Verhaltensforschung, nicht jedoch bei der Betrachtung von Filmen oder anderen Werken bzw. Kommunikationsformen mit Zeitkomponente.
Zu jedem menschlichen Entwicklungsschritt gehören Rückschläge, Angst und Zweifel genau wie Erfolgserlebnisse und positive Erfahrungen.
Die Emotionen entstehen hierbei wie bei allen Dingen im Spannungsfeld zwischen dem Streben nach Entgrenzung (positive Entwicklungen) und Angst (negative Entwicklungen).
Deswegen hat der Spruch "No pain, no gain" tatsächlich uneingeschränkte Gültigkeit.
Warum sollte uns in einer Erzählung etwas Lebensfremdes und emotional Künstliches in den Bann ziehen, Involviertheit schaffen?
WANT UND NEED - TRAGÖDIE
In der Tragödie findet kein Durchbruch der Bewusstseinsentwicklung (vor der Endprüfung) statt. Eine Figur in einem Film oder auch ein Mensch im wahren Leben folgt weiterhin blind seinem ursprünglich angestrebten, oberflächlichen Ziel und scheitert.
Vielleicht erreicht er / sie das angestrebte Ziel, aber er erreicht keine persönliche Entwicklung und bleibt unbewusst.
Ryan Gosling in "The Ides Of March", Brandauer in "Mephisto".
Unbewusstsein ist nicht schlimm, aber es verdammt uns zu rein rationalem, technischen Handeln, kennt keine tiefen inneren Zusammenhänge und lässt wenig Entfaltungsräume für Lebensfreude zu.
Die Horizontale ist die Zeitachse (t), die Vertikale die Ausprägung von Handlungen und Ereignissen (H) im Kernspannungsfeld einer Arbeit / eines Werkes.
Vielleicht erreicht er / sie das angestrebte Ziel, aber er erreicht keine persönliche Entwicklung und bleibt unbewusst.
Ryan Gosling in "The Ides Of March", Brandauer in "Mephisto".
Unbewusstsein ist nicht schlimm, aber es verdammt uns zu rein rationalem, technischen Handeln, kennt keine tiefen inneren Zusammenhänge und lässt wenig Entfaltungsräume für Lebensfreude zu.
Die Horizontale ist die Zeitachse (t), die Vertikale die Ausprägung von Handlungen und Ereignissen (H) im Kernspannungsfeld einer Arbeit / eines Werkes.

©2014 decodingcinema.com / Janosch Orlowsky
Filme oder Arbeiten mit offenen oder ambivalenten Enden funktionieren im Prinzip wie Tragödien, da in der Figur / in der Handlung kein kathartischer Läuterungsmoment stattfindet.
Dieser wird entweder vermieden oder alleine dem Zuschauer nach Filmende überlassen, was in den seltensten Fällen funktioniert.
Tragödien und Arbeiten / Werke mit offenen Enden mögen berühren, sogar intensiv berühren und vielleicht eine Faszination entfalten, die bei den Rezipienten Flow ermöglicht.
Hierbei wird jedoch in den meisten Fällen ein wichtiger Teil des Zuschauerversprechens (im Kino) nicht eingelöst.
Auch Zuhörer einer Rede, eines Musikstückes, Leser eines packenden Romans usw. sind bei weitem nicht so befriedigt wie dies bei einem Werk / einer Arbeit möglich wäre, die kathartische Erkenntnis ermöglicht.
In nicht seltenen Fällen entsteht zwar eine intensive Auseinandersetzung mit rationalen Fragen, die aber die Natur des Kinos und der menschlichen Seele verkennen: ES GIBT NUR VERÄNDERUNG DURCH EMOTIONALES ERLEBEN UND VERSTEHEN.
Dieser Umstand wird im Leben als "Learning by doing" und auch "Trial an error" beschrieben.
Nur in einem Drama (Komödie) mit positivem, kathartischen Ausgang kann es zu einer Bewusstseinsveränderung kommen, in der ein Protagonist (oder auch die Handlung) das offensichtliche und oft weltliche, materielle Want (Wunsch) überwindet.
Im wahren Leben überwinden wir in solchen Momenten unser Ego und hören - nach etlichen Prüfungen - auf unsere innere Stimme, die uns befähigt, uns nachhaltig zu verändern.
In einer Tragödie findet ein solcher Erkenntnisprozess nicht statt. Der / die Handelnde bzw. die Handlung selber bleibt unbewusst, somit bleibt ihm / ihr der Weg zur Läuterung verwahrt.
Im echten Leben bedeutet dies, dass wir vor einem bestimmten Lebensumstand kapitulieren und wir uns einem tiefen Unglück / einer tiefen Unzufriedenheit ergeben.
Mehr dazu im Folgeartikel "Katharsis und Wiedergeburt".
Dieser wird entweder vermieden oder alleine dem Zuschauer nach Filmende überlassen, was in den seltensten Fällen funktioniert.
Tragödien und Arbeiten / Werke mit offenen Enden mögen berühren, sogar intensiv berühren und vielleicht eine Faszination entfalten, die bei den Rezipienten Flow ermöglicht.
Hierbei wird jedoch in den meisten Fällen ein wichtiger Teil des Zuschauerversprechens (im Kino) nicht eingelöst.
Auch Zuhörer einer Rede, eines Musikstückes, Leser eines packenden Romans usw. sind bei weitem nicht so befriedigt wie dies bei einem Werk / einer Arbeit möglich wäre, die kathartische Erkenntnis ermöglicht.
In nicht seltenen Fällen entsteht zwar eine intensive Auseinandersetzung mit rationalen Fragen, die aber die Natur des Kinos und der menschlichen Seele verkennen: ES GIBT NUR VERÄNDERUNG DURCH EMOTIONALES ERLEBEN UND VERSTEHEN.
Dieser Umstand wird im Leben als "Learning by doing" und auch "Trial an error" beschrieben.
Nur in einem Drama (Komödie) mit positivem, kathartischen Ausgang kann es zu einer Bewusstseinsveränderung kommen, in der ein Protagonist (oder auch die Handlung) das offensichtliche und oft weltliche, materielle Want (Wunsch) überwindet.
Im wahren Leben überwinden wir in solchen Momenten unser Ego und hören - nach etlichen Prüfungen - auf unsere innere Stimme, die uns befähigt, uns nachhaltig zu verändern.
In einer Tragödie findet ein solcher Erkenntnisprozess nicht statt. Der / die Handelnde bzw. die Handlung selber bleibt unbewusst, somit bleibt ihm / ihr der Weg zur Läuterung verwahrt.
Im echten Leben bedeutet dies, dass wir vor einem bestimmten Lebensumstand kapitulieren und wir uns einem tiefen Unglück / einer tiefen Unzufriedenheit ergeben.
Mehr dazu im Folgeartikel "Katharsis und Wiedergeburt".
TRANSZENDENZ SCHAFFEN, INVOLVIERTHEIT SCHAFFEN.
Jedes Aufeinandertreffen, jede Kollision von zwei Systemen, in der Dramaturgie, aber auch im Leben, sind dies in ihrem Kern Ereignisse mit grundverschiedenen Emotionen, bietet, wie zuvor beschrieben, enormes transzendentes Potential.
Hierfür muss der Rezipient auf den Wechsel des "emotionalen Aggregatzustandes" aufmerksam gemacht werden.
Z.B.:
• Zorn wandelt sich zu Güte
• Freude wandelt sich zu Trauer
• Übermut wandelt sich zu Schmerz
• Misstrauen wandelt sich zu Liebe
usw.
In der Dramaturgie findet nun eine Fokussierung auf den Übergang statt.
Eine Art Vorspiel.
Dies geschieht durch Mittel der Zuspitzung, z.B. Steigerung von Spannung, Erwartungshaltung etc, kurz: Verdichtung.
Verdichtung funktioniert in der Dramaturgie über die Schaffung von etwas UNVERMEIDBAREM, etwas UNAUSWEICHLICHEM.
Auch hier greifen wieder die Prinzipien von Aufladung durch die Summe von gesteigerten Bedeutungen, die daraus resultierende Erwartungshaltung und tatsächlichem Eintreten eines Ereignisses.
Offenbart sich im Eintreten eines Ereignisses eine Kluft zwischen Erwartungshaltung und tatsächlichem Ereignis, wird Originalität erzielt.
Der Rezipient muss dennoch genau das bekommen, was er erwartet, worauf er emotional vorbereitet wurde.
(Transzendentes Potential, Berührungspotential)
Jedoch nicht auf die Weise, auf die er (sie) es erwartet.
(Originalität)
Für den transzendenten Moment selber muss eine adäquate Erzählform für die Schwerelosigkeit des transzendenten Momentes gefunden werden, das sinnliche Erleben dieser Transzendenz muss für den Rezipienten ermöglicht werden. Hier einige typische Werkzeuge:
• ein Abbremsen des Erzähltempos, eine Verlangsamung des Rhythmus
• Fokussierung auf Details oder eine faszinierende Beobachtung von Kleinigkeiten, die uns normalerweise verborgen bleiben
• Zeitlupen oder extreme Nahaufnahmen
• eines oder mehrere prägnante Bilder, die den Bildinhalt in ein neues Verhältnis setzen
• die detaillierte Beobachtung von inneren Veränderungen in einer Figur, z.B. in den Augen eines guten Schauspielers / einer guten Schauspielerin
• das Aussetzen der Tonspur / des Sounddesigns - oder ein besonders prägnantes Geräusch
• ein kurzer, bewusster Bruch mit dem Erzählstil oder dem Erzählcode einer Arbeit oder eines Werkes (z.B. mit einem visuellen Code)
• in einer Rede das bewusste Abbremsen des Sprachflusses
usw.
Die Übergänge von einer Emotion zu einer anderen sind die erzählenswerten Momente in einer Geschichte.
Was also liegt in einer bestimmten Geschichte und für eine bestimmte Figur für eine Kernemotion UNTER der Hitze eines Hochsommertages, an dem langsam ein Gewitter aufzieht?
Sowohl die Hitze des Hochsommertages als auch das aufkommende, abkühlende Gewitter haben in ihrem Kern- im Kontext der Geschichte - jeweils eine bestimmte Emotion.
Je klarer der Schöpfer sich darüber ist, welche Emotionen in diesem Moment im Kern aufeinandertreffen, desto wahrhaftiger kann ein solch transzendenter Moment gestaltet werden.
Die Wahl des Erzählmittels, das beispielsweise auch eine rhetorische Figur in einer Rede sein kann, muss dem Wesen des transzendenten Momentes entsprechen und somit wahrhaftig sein.
Jeder Übergang zwischen zwei Zuständen - inneren und äußeren - birgt stets Potential für Magie und somit für Berührung.
Aber Transzendenz in einem gesamten Erzählsystem ist niemals nur Selbstzweck, sie steht stets im Dienste des Projektkerns (elementares emotionales Spannungsfeld) sowie einer beherrschenden Idee.
Hier entsteht die tatsächliche, tiefe Involviertheit eines Rezipienten.
Involviertheit verläuft im besten Fall linear bis zum emotionalen Höhepunkt und setzt spätestens beim auslösenden Ereignis ein, nachdem das Initialinteresse in einen packenden Plot umgewandelt wurde.
Wie zuvor beschrieben, schaffen sowohl positive als auch negative Emotionen und Ereignisse sowie Entwicklungen im gleichen Maß Involviertheit, weil dies menschlichen Erfahrungs- und Entwicklungsprozessen entspricht.
Hierfür muss der Rezipient auf den Wechsel des "emotionalen Aggregatzustandes" aufmerksam gemacht werden.
Z.B.:
• Zorn wandelt sich zu Güte
• Freude wandelt sich zu Trauer
• Übermut wandelt sich zu Schmerz
• Misstrauen wandelt sich zu Liebe
usw.
In der Dramaturgie findet nun eine Fokussierung auf den Übergang statt.
Eine Art Vorspiel.
Dies geschieht durch Mittel der Zuspitzung, z.B. Steigerung von Spannung, Erwartungshaltung etc, kurz: Verdichtung.
Verdichtung funktioniert in der Dramaturgie über die Schaffung von etwas UNVERMEIDBAREM, etwas UNAUSWEICHLICHEM.
Auch hier greifen wieder die Prinzipien von Aufladung durch die Summe von gesteigerten Bedeutungen, die daraus resultierende Erwartungshaltung und tatsächlichem Eintreten eines Ereignisses.
Offenbart sich im Eintreten eines Ereignisses eine Kluft zwischen Erwartungshaltung und tatsächlichem Ereignis, wird Originalität erzielt.
Der Rezipient muss dennoch genau das bekommen, was er erwartet, worauf er emotional vorbereitet wurde.
(Transzendentes Potential, Berührungspotential)
Jedoch nicht auf die Weise, auf die er (sie) es erwartet.
(Originalität)
Für den transzendenten Moment selber muss eine adäquate Erzählform für die Schwerelosigkeit des transzendenten Momentes gefunden werden, das sinnliche Erleben dieser Transzendenz muss für den Rezipienten ermöglicht werden. Hier einige typische Werkzeuge:
• ein Abbremsen des Erzähltempos, eine Verlangsamung des Rhythmus
• Fokussierung auf Details oder eine faszinierende Beobachtung von Kleinigkeiten, die uns normalerweise verborgen bleiben
• Zeitlupen oder extreme Nahaufnahmen
• eines oder mehrere prägnante Bilder, die den Bildinhalt in ein neues Verhältnis setzen
• die detaillierte Beobachtung von inneren Veränderungen in einer Figur, z.B. in den Augen eines guten Schauspielers / einer guten Schauspielerin
• das Aussetzen der Tonspur / des Sounddesigns - oder ein besonders prägnantes Geräusch
• ein kurzer, bewusster Bruch mit dem Erzählstil oder dem Erzählcode einer Arbeit oder eines Werkes (z.B. mit einem visuellen Code)
• in einer Rede das bewusste Abbremsen des Sprachflusses
usw.
Die Übergänge von einer Emotion zu einer anderen sind die erzählenswerten Momente in einer Geschichte.
Was also liegt in einer bestimmten Geschichte und für eine bestimmte Figur für eine Kernemotion UNTER der Hitze eines Hochsommertages, an dem langsam ein Gewitter aufzieht?
Sowohl die Hitze des Hochsommertages als auch das aufkommende, abkühlende Gewitter haben in ihrem Kern- im Kontext der Geschichte - jeweils eine bestimmte Emotion.
Je klarer der Schöpfer sich darüber ist, welche Emotionen in diesem Moment im Kern aufeinandertreffen, desto wahrhaftiger kann ein solch transzendenter Moment gestaltet werden.
Die Wahl des Erzählmittels, das beispielsweise auch eine rhetorische Figur in einer Rede sein kann, muss dem Wesen des transzendenten Momentes entsprechen und somit wahrhaftig sein.
Jeder Übergang zwischen zwei Zuständen - inneren und äußeren - birgt stets Potential für Magie und somit für Berührung.
Aber Transzendenz in einem gesamten Erzählsystem ist niemals nur Selbstzweck, sie steht stets im Dienste des Projektkerns (elementares emotionales Spannungsfeld) sowie einer beherrschenden Idee.
Hier entsteht die tatsächliche, tiefe Involviertheit eines Rezipienten.
Involviertheit verläuft im besten Fall linear bis zum emotionalen Höhepunkt und setzt spätestens beim auslösenden Ereignis ein, nachdem das Initialinteresse in einen packenden Plot umgewandelt wurde.
Wie zuvor beschrieben, schaffen sowohl positive als auch negative Emotionen und Ereignisse sowie Entwicklungen im gleichen Maß Involviertheit, weil dies menschlichen Erfahrungs- und Entwicklungsprozessen entspricht.

©2014 decodingcinema.com / Janosch Orlowsky
In jeder Wendung, bei jedem Überschreiten der Nulllinie, können besonders effektiv transzendente Momente geschaffen werden.
Wird ein Werk oder eine Arbeit zudem auf einem stringenten Kern (elementares emotionales Spannungsfeld) und einer stringenten Argumentation (über einen wahren Sachverhalt), der beherrschenden Idee, kontinuierlich aufgebaut, entsteht am Ende großes kathartisches Potential.
Jedes Ereignis schafft potentiell Bedeutung, folgt es der richtigen Aufladung:
• Projektkern (elementares Spannungsfeld)
• Spannungsfeld zwischen Angst und Entgrenzung
• Wahrhaftiger Sachverhalt (des Lebens)
• beherrschende Idee
• Gesamtspannungsbogen (der tatsächlich eher eine Gerade ist)
Jeder transzendente Moment im Gesamtverlauf einer Entwicklung ist ein kleiner Zwischenwert emotionaler Natur, der auf den großen, kathartischen Erkenntnismoment hinführt.
Die Summe der transzendenten Momente (emotionalen Werte) kann bereits ein befriedigendes Unterhaltungserlebnis schaffen.
Diese Werte entstehen durch Bedeutungen, die wiederum aus konkreten Handlungen, Ereignissen und Aktionen im zeitlichen Verlauf einer Geschichte entstehen.
Erst der große, kathartische Erkenntnismoment ist jedoch der Maximalwert, den eine Arbeit oder ein Werk - ein Film, jegliche Erzählung, viele Kunstformen mit Zeitkomponente und selbst Kommunikation - erreichen können.
Wird ein Werk oder eine Arbeit zudem auf einem stringenten Kern (elementares emotionales Spannungsfeld) und einer stringenten Argumentation (über einen wahren Sachverhalt), der beherrschenden Idee, kontinuierlich aufgebaut, entsteht am Ende großes kathartisches Potential.
Jedes Ereignis schafft potentiell Bedeutung, folgt es der richtigen Aufladung:
• Projektkern (elementares Spannungsfeld)
• Spannungsfeld zwischen Angst und Entgrenzung
• Wahrhaftiger Sachverhalt (des Lebens)
• beherrschende Idee
• Gesamtspannungsbogen (der tatsächlich eher eine Gerade ist)
Jeder transzendente Moment im Gesamtverlauf einer Entwicklung ist ein kleiner Zwischenwert emotionaler Natur, der auf den großen, kathartischen Erkenntnismoment hinführt.
Die Summe der transzendenten Momente (emotionalen Werte) kann bereits ein befriedigendes Unterhaltungserlebnis schaffen.
Diese Werte entstehen durch Bedeutungen, die wiederum aus konkreten Handlungen, Ereignissen und Aktionen im zeitlichen Verlauf einer Geschichte entstehen.
Erst der große, kathartische Erkenntnismoment ist jedoch der Maximalwert, den eine Arbeit oder ein Werk - ein Film, jegliche Erzählung, viele Kunstformen mit Zeitkomponente und selbst Kommunikation - erreichen können.
DER REIZ DES NEUEN
Spirituelles Erleben findet als Resultat des menschlichen Entgrenzungsstrebens statt.
Dieses Streben bildet in einer ständigen Wechselwirkung mit unserer Angst und unseren Zweifeln das Spannungsfeld, in dem sämtliche menschliche Emotionen entstehen.
Folgt man dieser Erkenntnis, ist klar, warum viele von uns ständig nach neuen Dingen suchen - materiell oder auch ideell.
Jede neue Sache, eine Reise, ein neuer Mensch - ist ein Schritt aus unserem (sicheren) System des Alltags, alles Neue bringt Abwechslung in unsere Routine.
Neue Dinge und Erlebnisse wecken und befriedigen nicht selten unsere Neugier, die auch nur ein spirituelles Entgrenzungsstreben ist. Das Neue, Andersartige trifft auf unseren ganz persönlichen Mikrokosmos und erlaubt uns potentiell transzendente Momente, Entgrenzungen - spirituelles Erleben.
Hier liegt auch das kausale Potential für jeden Rausch, jede Sucht, jede Abhängigkeit.
Heutige Film- und Medienprojekte, auch etliche Kunstprojekte, sind bereits durch ihr Genre oder Setting mit einer hohen transzendenten Grundaufladung versehen:
• Superhelden
• Sci-Fi
• Mystery / Magie und Übernatürliches (Vampire, Werwölfe, Hexen, Gnome und Hobbits usw.)
• viele Videospiele
usw.
Diese Beispiele, sehr erfolgreich, lassen sich beliebig fortsetzen und sind vor dem Hintergrund unserer Zeit zu betrachten:
Durch die permanente Vernetzung und Erreichbarkeit, kombiniert mit stetiger Beschleunigung und exponentiellen technologischen Entwicklungen in einer globalisierten Welt, werden viele von uns mehr oder weniger freiwillig dazu gezwungen, durch Multitasking und jederzeitiger Verfügbarkeit selber "transzendente" Leistungen in Beruf und Privatleben abzurufen.
Dieses Phänomen braucht einen diametralen Ausgleich, ein Gegengewicht, das beispielsweise in einigen der spektakulären Superhelden-Verfilmungen oder anderem fantastischem Bombast-Entertainment Entsprechung findet.
Dies ist die oberflächliche Betrachtung, die Beschreibung der Symptomatik.
Im Kern suchen viele Menschen aufgrund der faktischen Überforderung, die durch immer kürzere Informations-, Verarbeitungs- und Entscheidungsspannen entsteht, nach tatsächlichem spirituellem Erleben.
Es bleibt kaum Zeit für sich selbst, für ein bewusstes Leben, ein bewusstes Sein.
Glücklicherweise steuern einige Unternehmen - wie beispielsweise Mercedes, die Mails in Urlaubs und Abwesenheitszeiten löschen - dieser endlosen Beschleunigungsschraube entgegen.
Im Wettlauf mit den (digitalen) technologischen Entwicklungsmöglichkeiten hat das menschliche Gehirn und die menschliche Seele keine Chance, Schritt zu halten.
Waren technische und gesellschaftliche Veränderungen früher eher linear, sind sie heute exponentiell. Mehr dazu im späteren Artikel "Kommunikation und Digitaler Wandel".
Bei den oben beschriebenen Boom-Genres findet spätestens mit dem Betreten des Kinos oder mit dem Aufschlagen eines Buches ein "transzendentes Grundversprechen" durch Studios, Verlage usw. statt:
Dein Alltag wird jetzt mit einer besonders fantastischen Welt kollidieren.
Dieses "transzendente Grundversprechen" funktioniert als Teil der Grundaufladung (des Köders) eines Projektes oder einer Arbeit. Große Studios monetarisieren praktisch das Unbewusstsein der Rezipienten, was grundsätzlich nicht schlecht ist.
Traurig ist jedoch, dass die wenigsten großen Filme über ein "Brot und Spiele"-Ereignis hinaus gehen, das uns nur kurzen, oberflächlichen Eskapismus ermöglicht.
Ich kenne viele ruhelose Reisende, die ständig das Exotische suchen und stets durch die Welt ziehen - was in einem gewissen Maß wunderschön ist, aber auch wiederum zur Sucht und Flucht vor sich selbst werden kann.
Der Zauber des Neuen, des Anderen, den Herrmann Hesse schon beschreibt (Gruß an Nicole) - „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ - kann sehr rasch Abhängigkeitspotential schaffen, wenn man ständig neue Erlebnisse, Erfahrungen und Dinge erlangen muss, um spirituell zu erleben, sich lebendig zu fühlen, ohne dabei jedoch zu einem tieferen Bewusstsein zu gelangen.
Die eigentliche Reise - zu tiefem Bewusstsein - dauert bei vielen Menschen ein Leben lang.
Hier wirkt die volle Kraft oder auch Gravitation der seelischen Latenz, der Trägheit unserer Herzen.
Stufen (H. Hesse)
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
In der Möglichkeit des transzendenten Erlebens liegt das größte Geheimnis für die Magie des Kinos und anderer Künste, Erzähl- und Kommunikationsformen.
Kino und andere Erzähl- und Ausdrucksformen haben das Potential, Wahrhaftigkeiten des Lebens auf eine Erzählzeit oder vielleicht sogar auf ein einziges Objekt im geschützten Raum des Mediums zu komprimieren.
Zu berühren, auf die Schwebezustände des Lebens aufmerksam zu machen, Transzendenz erlebbar zu machen.
Und dabei Wahrhaftiges über sowohl Unwägbarkeiten des Lebens als auch über pure Freude oder Glück an Rezipienten weiterzugeben.
TRANSZENDENZ © 2014 Janosch Orlowsky. Nachdruck und / oder Verbreitung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Dieses Streben bildet in einer ständigen Wechselwirkung mit unserer Angst und unseren Zweifeln das Spannungsfeld, in dem sämtliche menschliche Emotionen entstehen.
Folgt man dieser Erkenntnis, ist klar, warum viele von uns ständig nach neuen Dingen suchen - materiell oder auch ideell.
Jede neue Sache, eine Reise, ein neuer Mensch - ist ein Schritt aus unserem (sicheren) System des Alltags, alles Neue bringt Abwechslung in unsere Routine.
Neue Dinge und Erlebnisse wecken und befriedigen nicht selten unsere Neugier, die auch nur ein spirituelles Entgrenzungsstreben ist. Das Neue, Andersartige trifft auf unseren ganz persönlichen Mikrokosmos und erlaubt uns potentiell transzendente Momente, Entgrenzungen - spirituelles Erleben.
Hier liegt auch das kausale Potential für jeden Rausch, jede Sucht, jede Abhängigkeit.
Heutige Film- und Medienprojekte, auch etliche Kunstprojekte, sind bereits durch ihr Genre oder Setting mit einer hohen transzendenten Grundaufladung versehen:
• Superhelden
• Sci-Fi
• Mystery / Magie und Übernatürliches (Vampire, Werwölfe, Hexen, Gnome und Hobbits usw.)
• viele Videospiele
usw.
Diese Beispiele, sehr erfolgreich, lassen sich beliebig fortsetzen und sind vor dem Hintergrund unserer Zeit zu betrachten:
Durch die permanente Vernetzung und Erreichbarkeit, kombiniert mit stetiger Beschleunigung und exponentiellen technologischen Entwicklungen in einer globalisierten Welt, werden viele von uns mehr oder weniger freiwillig dazu gezwungen, durch Multitasking und jederzeitiger Verfügbarkeit selber "transzendente" Leistungen in Beruf und Privatleben abzurufen.
Dieses Phänomen braucht einen diametralen Ausgleich, ein Gegengewicht, das beispielsweise in einigen der spektakulären Superhelden-Verfilmungen oder anderem fantastischem Bombast-Entertainment Entsprechung findet.
Dies ist die oberflächliche Betrachtung, die Beschreibung der Symptomatik.
Im Kern suchen viele Menschen aufgrund der faktischen Überforderung, die durch immer kürzere Informations-, Verarbeitungs- und Entscheidungsspannen entsteht, nach tatsächlichem spirituellem Erleben.
Es bleibt kaum Zeit für sich selbst, für ein bewusstes Leben, ein bewusstes Sein.
Glücklicherweise steuern einige Unternehmen - wie beispielsweise Mercedes, die Mails in Urlaubs und Abwesenheitszeiten löschen - dieser endlosen Beschleunigungsschraube entgegen.
Im Wettlauf mit den (digitalen) technologischen Entwicklungsmöglichkeiten hat das menschliche Gehirn und die menschliche Seele keine Chance, Schritt zu halten.
Waren technische und gesellschaftliche Veränderungen früher eher linear, sind sie heute exponentiell. Mehr dazu im späteren Artikel "Kommunikation und Digitaler Wandel".
Bei den oben beschriebenen Boom-Genres findet spätestens mit dem Betreten des Kinos oder mit dem Aufschlagen eines Buches ein "transzendentes Grundversprechen" durch Studios, Verlage usw. statt:
Dein Alltag wird jetzt mit einer besonders fantastischen Welt kollidieren.
Dieses "transzendente Grundversprechen" funktioniert als Teil der Grundaufladung (des Köders) eines Projektes oder einer Arbeit. Große Studios monetarisieren praktisch das Unbewusstsein der Rezipienten, was grundsätzlich nicht schlecht ist.
Traurig ist jedoch, dass die wenigsten großen Filme über ein "Brot und Spiele"-Ereignis hinaus gehen, das uns nur kurzen, oberflächlichen Eskapismus ermöglicht.
Ich kenne viele ruhelose Reisende, die ständig das Exotische suchen und stets durch die Welt ziehen - was in einem gewissen Maß wunderschön ist, aber auch wiederum zur Sucht und Flucht vor sich selbst werden kann.
Der Zauber des Neuen, des Anderen, den Herrmann Hesse schon beschreibt (Gruß an Nicole) - „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ - kann sehr rasch Abhängigkeitspotential schaffen, wenn man ständig neue Erlebnisse, Erfahrungen und Dinge erlangen muss, um spirituell zu erleben, sich lebendig zu fühlen, ohne dabei jedoch zu einem tieferen Bewusstsein zu gelangen.
Die eigentliche Reise - zu tiefem Bewusstsein - dauert bei vielen Menschen ein Leben lang.
Hier wirkt die volle Kraft oder auch Gravitation der seelischen Latenz, der Trägheit unserer Herzen.
Stufen (H. Hesse)
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
In der Möglichkeit des transzendenten Erlebens liegt das größte Geheimnis für die Magie des Kinos und anderer Künste, Erzähl- und Kommunikationsformen.
Kino und andere Erzähl- und Ausdrucksformen haben das Potential, Wahrhaftigkeiten des Lebens auf eine Erzählzeit oder vielleicht sogar auf ein einziges Objekt im geschützten Raum des Mediums zu komprimieren.
Zu berühren, auf die Schwebezustände des Lebens aufmerksam zu machen, Transzendenz erlebbar zu machen.
Und dabei Wahrhaftiges über sowohl Unwägbarkeiten des Lebens als auch über pure Freude oder Glück an Rezipienten weiterzugeben.
TRANSZENDENZ © 2014 Janosch Orlowsky. Nachdruck und / oder Verbreitung nur mit schriftlicher Genehmigung.